Pädagogik

Eingewöhnungsphase

Der Übergang von der Familie in eine betreuende Einrichtung stellt für viele Kinder die erste Trennung vom Elternhaus dar. In dieser Zeit ist es für die Kinder und Eltern wichtig, sich langsam an die neue Situation zu gewöhnen. Diese Erfahrung beeinflusst nachhaltig das ganze Leben, deshalb sollte sie von Ihrem Kind und Ihnen als Eltern als positiv empfunden werden.
Sie als Mutter oder Vater sind im ersten Lebensjahr die wichtigste Bezugs- und Bindungsperson für Ihr Kind. Mit Ihnen als sichere Begleitung erkundet und erforscht es seine Umwelt und sammelt so wichtige Lernerfahrungen.
Nun soll es in einer fremden Umgebung, mit unbekannten Personen, einem erhöhten Lärmpegel und einem ungewohnten Tagesablauf allein zurecht kommen.
Um diese Transition (Übergang vom Elternhaus in die Krippe) meistern zu können, benötigt Ihr Kind dringend Ihre und unsere Unterstützung. Für eine schrittweise und individuell gestaltete Eingewöhnungszeit nehmen Sie sich bitte 3-4 Wochen Zeit.
Sollten Sie es aus beruflichen Gründen nicht einrichten können, Ihr Kind während dieser Zeit zu begleiten, dann fragen Sie bitte bei einer Person Ihres Vertrauens nach. Vielleicht kann der Vater des Kindes sich solange Zeit nehmen, die Oma oder sogar eine Tante.
Wenn Sie nach einem Jahr Elternzeit wieder arbeiten wollen, bieten wir Ihnen auch die Möglichkeit, ihr Kind bereits mit 10 Monaten einzugewöhnen. Somit haben Sie ausreichend Zeit, sich Ihrem Kind und der neuen Situation zu widmen.

Eine gute Eingewöhnung unterteilt sich in drei Phasen:

Am Anfang steht die Kennenlernphase. Hierbei begleitet die jeweilige Bezugsperson das Kind in die Krippe und bleibt am ersten Tag ca. eine Stunde in der Einrichtung, an den nächsten Tagen jeweils eine halbe Stunde mehr.
In dieser Phase verhält sich die Bezugsperson aktiv, d.h. Sie wickeln das Kind, spielen mit ihm, essen mit ihm, lernen die Räume, verschiedene Materialien, die Fachkräfte und andere Kinder kennen. Währenddessen kümmert sich die Fachkraft vorrangig um die schon eingewöhnten Kinder. Sie beobachtet allerdings das neue Kind, um es besser kennen zu lernen. Durch Blickkontakt kommt sie dem Kind langsam näher.

Danach folgt die Sicherheitsphase. Die Bezugsperson verhält sich immer noch aktiv dem Kind gegenüber und gestaltet zusammen mit der Fachkraft besondere Situationen: z.B. Wickeln, Füttern, Schlafen, Trösten oder sogar einen Konflikt. Dabei orientiert sich die Fachkraft an der Bezugsperson und übernimmt z.B. Wickel-, Schlaf und Tröstrituale aus der Familie. Sobald das Kind selbstständiger wird, kann die Bezugsperson zurückhaltender werden und die Erzieherin wird aktiver im Umgang mit dem Kind. Es wird die Gruppe erlebt, Kontakte zu Kindern geknüpft, Spielen und Forschen von der Erzieherin angeregt und unterstützt.

Langsam erfolgt der Übergang in die Vertrauensphase. Wenn die Gruppe das Kind akzeptiert und die Erzieherin das Gefühl hat, dass sich das Kind von ihr
ansprechen, berühren, versorgen und trösten lässt, dann kann die erste Trennung erfolgen.
Sie dauert zwischen 30 bis 60 Minuten und Sie können es sich während dieser Zeit im Besprechungszimmer gemütlich machen. Sie bringen Ihr Kind am Morgen des jeweiligen Tages, begleiten es kurz in die Gruppe und verabschieden sich dann. Sollte sich Ihr Kind nicht beruhigen lassen, werden wir Sie selbstverständlich zurück in die Gruppe holen. In diesem Fall versuchen wir es dann am nächsten Tag noch einmal.
Sollte Ihr Kind jedoch keine größeren Schwierigkeiten haben, holen Sie es nach ca. einer Stunde wieder ab. Diese Zeitspanne wird in den folgenden Tagen immer weiter verlängert, so dass Ihr Kind in der Krippe dann auch Mittag isst und schlafen geht.

Damit wir die Eingewöhnung wirklich an den Bedürfnissen Ihres Kindes orientieren, sind wir in dieser Zeit ständig im Gespräch. Nach ca. 6 – 8 Wochen, wenn sich Ihr Kind richtig in der Gruppe eingelebt hat, erfolgt ein Abschlussgespräch und somit ist die Eingewöhnung beendet. Ihr Kind ist nun emotional stark genug, sich mit unserer Hilfestellung in der Kindergruppe zurechtzufinden.

Erziehungspartnerschaft

Unsere Krippe sieht sich als aktiver, familienergänzender Begleiter des Kindes und seiner Familie in den ersten drei Lebensjahren. Das Kind ist ein wertvoller und einzigartiger Mensch, der von uns Fachkräften geachtet und mit all seinen Stärken und Schwächen akzeptiert wird. Wir wollen ihm Halt, Sicherheit, Beständigkeit und Orientierung geben. Das Kind als aktives Wesen bestimmt seine Entwicklung mit. Es stärkt seine Lebenskompetenz in Gegenwart und Zukunft und erlebt Erwachsene als Begleitung und Partner.

Wir fördern dabei folgende Lebenskompetenzen:

1. Die Fähigkeit, sich verständlich zu machen und andere zu verstehen.

2. Die Fähigkeit, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen, eigene Stärken und Schwächen anzunehmen und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.

3. Die Fähigkeit, sich selbst Aufgaben zu stellen, Probleme zu erkennen und Lösungen zu entwickeln.

4. Die Fähigkeit, Widersprüche und Disharmonien als unvermeidliche Bestandteile von Entwicklung anzunehmen, Misserfolge nicht um jeden Preis vermeiden zu wollen und die Chancen zu sehen, sich selbst ins Gleichgewicht zu bringen.

5. Die Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen, sich Hilfe bei anderen zu holen, kollektive Lösungen zu finden.

Das Kind soll ein positives Lebensbild aufbauen und es verstärken. Aus diesem Grund sind uns die Bedürfnisse der Kinder besonders wichtig. Wir versuchen, diese mit den Erwartungen der Eltern an unsere Krippe in Einklang zu bringen.
Damit dies gelingt, wünschen wir uns eine Erziehungspartnerschaft mit den Eltern, die von Mithilfe, Offenheit und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist.

Spielen ist Lernen – Das Freispiel

Zunächst eine kleine Begriffsklärung: Was heißt Freispiel eigentlich?

Mit dem Wort Freispiel bezeichnet man die Zeitspanne im Tagesablauf, in der die Kinder in möglichst freier Selbstbestimmung ihre Tätigkeiten wählen und spontan aufbrechenden Spielbedürfnissen nachgehen können.
Sie suchen ihr Spielmaterial und den Spielpartner selbst aus, setzen sich Ziele und Spielaufgaben und bestimmen Verlauf und Dauer ihres Spiels.

In unseren Gruppenräumen finden die Kinder die verschiedensten Möglichkeiten für die Gestaltung des Freispiels. So gibt es hier jeweils eine Kuschelecke zum Entspannen und Bilderbuch betrachten, eine Rollenspielecke, einen Kreativbereich zum Malen, Basteln, Kneten, eine Großbaustelle, eine Musikecke sowie Regale für altersgerechtes Spielzeug.

Zu den Aufgaben der Fachkräfte gehört es, die Voraussetzung für ein ungestörtes Spielen und Arbeiten zu schaffen. Dazu zählt auch das Vorbereiten und Bereitstellen von Materialien. Wir helfen den Kindern, falls notwendig, bei der Spielauswahl, bei der Wahl des Spielpartners, wir geben Hilfestellung bei der Lösung von Konflikten und unterstützen ihr Kind beim Umgang mit Materialien. Wir erinnern an die Gruppenregeln und spielen selbstverständlich auch mit.

Ziele und Förderbereiche

Lebenspraktisches Lernen

Der lebenspraktische Bereich steht an wichtigster Stelle in unserer pädagogischen Arbeit.
Wir Fachkräfte unterstützen und fördern die Kinder in ihrer Selbstständigkeit, achten aber darauf, dass wir die Kinder weder über- noch unterfordern.

Beispiele hierzu:

- Essen mit Besteck
- Hände waschen
- An- und Ausziehen
- Wetterbedingtes Anziehen erkennen
- Trinken aus dem Becher oder Glas
- Unterstützung bei der Reinlichkeitserziehung
- Eine Schere/Messer benutzen
- Richtige Stifthaltung
- Aufräumen

Spracherziehung/Kommunikation

Sprache ist das A und O, um sich mitteilen und kommunizieren zu können. Immer mehr erproben die Kinder ihre Stimme und beginnen zu verstehen, was sie mit Sprache bewirken können. Das sprachliche Vorbild durch die älteren Kinder und Erwachsenen wirkt sich dabei positiv aus.

Wir fördern die Kinder durch:

- Erzählungen und gemeinsame Gespräche
- Fingerspiele
- Reime
- Bilderbuchbetrachtungen
- Lieder
- Kreis- und Bewegungsspiele
- Tischsprüche

Soziales Lernen

In der Krippengruppe treffen mehrere Personen mit unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen aufeinander. Diese Situation fordert Sozialverhalten. Unser Ziel ist es, den Kindern das Zusammenleben in einer Gruppe zu erleichtern und ihnen gleichzeitig größtmöglichen Freiraum zu geben.

Hierfür gibt es verschiedene Ansätze:

- eigenständiges Spiel
- Rollenspiele
- eigene Gefühle kennenlernen/Gefühle anderer wahrnehmen
- eigene Rolle in der Gruppe finden
- Einhalten von Regeln und Grenzen
- konstruktiver Umgang mit Konfliktsituationen
- Gesellschaftsspiele
- Lernen von Umgangsformen ("Bitte" und "Danke")

Kreativität

In unserer Krippe halten wir es für wichtig, dass Kleinstkinder selbst etwas erschaffen, hervorbringen und Spuren hinterlassen können. Hierfür stellen wir möglichst viele und einfache Materialien zur Verfügung und die Kinder erfahren die verschiedensten Verwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel durch:

- wechselnde Materialien
- Experimentieren
- Matschen, Kleben, Kleistern, Kneten, Formen, Schneiden, Reißen.....
- Malen mit unterschiedlichen Materialien

Bewegung/Umwelt/Natur

Die Kinder können ihren natürlichen Bewegungsdrang in unserem Garten ausleben und so ihre Motorik testen und stärken.

Dazu kommen regelmäßig:

- Bewegungsspiele
- Beobachtung der Jahreszeiten
- kreatives Gestalten mit Naturmaterialien

Musikalische Erziehung

Musik fördert die Kommunikationsfähigkeit und hat positiven Einfluss auf die Entwicklung von Koordination, Lern- und Sozialverhalten bei Kindern. Das Ziel ist es spielerisch Freude an der Musik zu wecken und musikalische Anlagen früh zu entdecken.
Wir integrieren Musik, manchmal in Kombination mit einfachen Orffinstrumenten und singen in unserem Tagesablauf, beispielsweise in unserem Morgenkreis, beim Spielen, Aufräumen, usw.

Reinlichkeitserziehung

Ein Kind kann in der Regel frühestens ab dem 2. Lebensjahr seine Darm- und Blasenmuskulatur beherrschen. Dazu gehören die körperliche Reife und das Verständnis für den Zusammenhang der Entleerung. Wenn die Kinder Interesse an diesem Thema zeigen, bietet es sich an, mit dem Toilettengehen zu beginnen.
Jedoch sollte jedem Kind seine eigene Zeitspanne zugestanden werden. Deshalb stehen wir jedem Training, das die Sauberkeitsphase abkürzen soll, kritisch gegenüber. Die Gewöhnung von der Windel zur Toilettenbenutzung geschieht ohne Zwang in einer angstfreien Atmosphäre.
Die Kinder werden nach Bedarf an einem liebevoll gestalteten Wickelplatz und in Wohlfühlatmosphäre gewickelt. Wer während des Wickelns lieber die Toilette benutzen möchte, kann dies selbstverständlich tun.
In der Krippe sind Toiletten in kleinkindgerechter Höhe angebracht. Die Kinder werden anfänglich mit Hilfestellung begleitet und durch die Vorbildfunktion der Erwachsenen an das anschließende Hände waschen erinnert.
Die Vorbildfunktion und gegenseitige Unterstützung der Kinder untereinander ist dabei ebenfalls von großer Bedeutung.

Gesundheitserziehung

- Bewegung im Haus und im Garten
- Gesunde Ernährung
- Hygiene
- Unfallverhütung
- Verkehrserziehung
- Stressbewältigung
- Entspannungsmöglichkeiten
- Suchtprävention
- Verantwortungsvoller Umgang mit Krankheit

Die Rolle der pädagogischen Fachkraft

- einen Blick auf das Kind und die Familie haben
- pflegerische Arbeiten mit in den Alltag integrieren
- individuelle Bedürfnisse erkennen und darauf eingehen
- beobachten und dokumentieren
- Feste und Aktionen vorbereiten und gestalten
- Vertrauen und Sicherheit geben
- Spielpartner sein
- Ansprechpartner für Kinder und Eltern sein
- Positives Vorbild sein

Die Zusammenarbeit von Eltern und Pädagogischem Team

- Erst- und Aufnahmegespräche
- Tür- und Angelgespräche
- Wochenpläne bzw. Rückblick
- Monatsrückblick
- Aushänge am schwarzen Brett
- Elternabende
- Elternbeirat
- Feste, Feiern und Aktionen
- Hospitationen
- Vatermorgen (Bzw. Oma-/Opamorgen)
- Umfragebögen
- Elternbriefe
- Elterngespräche mit Terminabsprache
- Elternabende zu bestimmten Themen
- Bastelnachmittage
- Zeitspenden der Eltern nach Bedarf und Interesse
- Infoabend vor Beginn der Kindergartenzeit
- Zusammenarbeit mit Frau Hintz (Erziehungsmediatorin und Elternbegleiterin)